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Die Red Valleys sind ein kleines - aber feines - Männerchorensemble

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Das Männerensemble "Red Valleys" aus Oberrot probt in einem Gewächshaus. Ein Blick hinter die Kulissen.

Die Sonne steht über dem Horizont. Ihr Abendlicht wirft lange Schatten über das Land. Ein warmer Sommerabend. Ich fahre nach Westheim. Auf dem Blumenhof habe ich mich mit den „Red Valleys“ verabredet. Die Sänger des kleinen, aber feinen Männerensembles wollen mir zeigen, wie sie unter den Bedingungen der Corona-Epidemie den Probenbetrieb wieder aufgenommen haben. Ich komme bei Göhners Blumenhof an und frage mich, in welchem der vielen Gewächshäuser ich die Männer und ihre Chorleiterin Christine Rommel wohl finde. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, klingt mir jedoch schon aus einem Gewächshaus karibischer Sound entgegen. Die Chorprobe ist offenbar schon voll im Gang.

Ein alter Schaukasten als Schutz

Im Gewächshaus stehen die Sänger verteilt zwischen den Pflanztischen. Mit ihren knallroten Chorshirts setzen sie Farbtupfer im Raum. Sie singen aus voller Kehle. Ihre Dirigentin sitzt hinter einem E-Piano. Eine große Plexiglasscheibe hängt vor ihr. Darauf steht „Evangelische Kirchengemeinde“, offenbar ein Relikt eines alten Schaukastens. Beim Schutz der Chorleiterin vor dem Coronavirus tut die alte Scheibe noch gute Dienste.

Dann legen die Sänger eine kleine Pause ein und beginnen zu erzählen. Drei Monate hatten sie wegen der Pandemie nicht mehr gesungen. Dann aber beschlossen sie: Es reicht jetzt. Wir müssen uns unbedingt wiedersehen und miteinander proben. Intensiv setzten sich die Chormitglieder mit dem Infektionsschutzkonzept des Schwäbischen Sängerbundes auseinander. Sie studierten Verordnungen, Zeitungsartikel und sonstige Veröffentlichungen. Sie überlegten, in welcher Scheune oder sonstigem Gebäude sie wieder mit den Chorproben starten könnten.

Da bot Mitsänger Martin Göhner an, man könne sich doch in einem seiner Gewächshäuser zum Singen treffen. Das Gewächshaus ist ein idealer Probenort. Er ist permanent gut durchlüftet und bietet viel Platz. Die Pflanztische stehen im Abstand von drei Metern. Genau richtig, um die Sänger in zwei Reihen dahinter zu platzieren. Links und rechts trennen sie 1,50 Meter voneinander. Diesen Abstand empfiehlt eine Studie aus Bayern, die sie gefunden haben. Zur Dirigentin besteht ein Sicherheitsabstand von 6 Metern. Es ist bereits die fünfte Probe, die sie miteinander abhalten.

„Anfangs war das Singen auf Abstand gewöhnungsbedürftig“, erzählt einer der Sänger. Aber die Chormitglieder haben sich daran gewöhnt, berichten sie. Da kann man sich gesanglich nicht an einen Mitsänger hängen. Aber das sind die „Red Valleys“ eigentlich gewohnt. „Wir finden es jedenfalls toll, dass wir überhaupt wieder singen können“, meint Martin Wannenwetsch, erster Vorstand des Vereins. Und er fügt hinzu: „Dass es allen Sängern Freude macht, das kann man in jeder Chorprobe spüren“. Diesen Eindruck habe ich auch.

Demnächst müssen sich die „Red Valleys“ allerdings eine Beleuchtung fürs Gewächshaus suchen. Die Tage werden wieder kürzer. Das merkt man schon. „Im Winter müssen wir sehen, was wir machen“, sagt Martin Wannenwetsch. „Entweder warm anziehen oder eine andere Räumlichkeit suchen“. Aber das Männerensemble ist zuversichtlich, dass ihnen etwas einfallen wird. Die „Red Valleys“ möchten gerne andern Chören zeigen, dass mehr möglich ist, als man zunächst denkt.

Im Moment nehmen Sie bereits den Schwäbisch Haller Weihnachtsmarkt in den Blick. Vielleicht kann der ja trotz Corona stattfinden und sie können wieder einen gesanglichen Beitrag leisten. Ziele braucht man immer. Die ersten Weihnachtslieder haben Sie jedenfalls in Angriff genommen. „I Saw Mommy Kissing Santa Claus“ steht noch auf dem Plan für den heutigen Abend. Ich verabschiede mich von den sichtlich hoch motivierten Sängern. Als ich in die anbrechende Abenddämmerung hinausgehe, klingt mir das Lied „Falling In Love“ nach.

Andreas Balko | 31.07.2020

Chorprobe im Gewächshaus